FB Pixel
Ausfüllen Pfeil Abschicken Pfeil Fertig
Der schnelle Weg. Füllen Sie folgendes Formular aus, damit wir Ihnen helfen können.
Falls Sie Hilfe oder Erklärung benötigen, erreichen Sie uns während der Gesprächszeiten unter 040 / 23 88 10 10.

*
*
*
*
*
*
*
AdvoNeo Ratgeber » Insolvenz & Rechtsprechung » Privatinsolvenz: Restschuldbefreiung nach 3 Jahren?





Privatinsolvenz: Restschuldbefreiung nach 3 Jahren?

Privatinsolvenz 3 Jahre Restschuldbefreiung Sanduhr

Seit knapp zwei Jahren können Schuldner in der Verbraucherinsolvenz (umgangs­sprachlich Privat­insolvenz) die Rest­schuld­befreiung im Ideal­fall in 3 und im Höchst­fall in 6 Jahren erlangen. Die Reform der Insolvenz­ordnung startete mit der Gesetzes­änderung am 01.07.2014. Zeit, ein erstes Fazit über die Aus­wirkungen der Privat­insolvenz­reform zu ziehen.

Voraussetzung für eine Restschuldbefreiung in 3 Jahren

Nicht jeder kann nach 3 Jahren durch ein Insolvenz­verfahren schuldenfrei werden. Die Ver­braucher­insolvenz ist ein gericht­liches Verfahren. Wenn Sie in der Lage sind, die Ver­fahrens­kosten hierfür selbst zu tragen, können Sie die Wohl­verhaltens­phase um ein Jahr reduzieren und nach 5 Jahren die Rest­schuld­befreiung erlangen. Die Verfahrens­kosten sind nach §54 Insolvenz­ordnung die Gerichts­kosten plus die Kosten für den Insolvenzverwalter (dessen Ver­gütung ist unter­schiedlich hoch). Die Höhe ist abhängig von der Insolvenz­masse und somit je Einzel­fall unter­schiedlich. Nur wenn Sie zusätzlich zu den Ver­fahrens­kosten auch mindestens 35% Ihrer Gesamt­schuld­summe begleichen können, ist es Ihnen möglich, in der Privatinsolvenz nach 3 Jahren die Rest­schuld­befreiung zu erlangen.

Die Rest­schuld­befreiung tritt aber nicht auto­matisch ein, sondern Sie müssen dafür einen Antrag stellen. Neben der Glaub­haft­machung, dass die Ver­fahrens­kosten und die Mindest­quote von 35% erreicht ist, muss der Schuldner auch er­klären, woher die finan­ziellen Mittel stammen, die an den Insol­venz­verwalter ge­flossen sind. Durch diese Er­klärungs­pflicht soll ver­mieden werden, dass ein Schuldner Geld­mittel ver­heimlicht und planvoll in die Insolvenz geht, um die Schuldsumme auf 35% zu senken. Vor­aus­setzung für die Rest­schuld­be­freiung ist dabei immer, dass Sie sich wohl­verhalten haben.

Ein Beispiel zur Orientierung:
Nehmen wir an, Sie haben insgesamt 16.000€ Schulden. Ihr Insolvenz­ver­fahren wurde eröffnet und bald befinden Sie sich in der Wohl­verhaltens­phase. Drei Jahre vergehen in denen Sie sich an die Auflagen der Verbraucher­insolvenz gehalten und es Ihnen gelungen ist, eine Summe von 6.900€ aufzubringen. Das deckt die Gerichts­kosten (geschätzt wären dies ca. 2.700€ Vergütung für den Insolvenz­ver­walter plus 495 € Gerichtskosten). Jedoch haben Sie damit nicht die zusätzlich erforder­lichen 5.600€ (35% von Ihrer Gesamt­schuldsumme von 16.000€) aufbringen können. Sie müssen sich deswegen zwei weitere Jahre wohl­verhalten. Dann, nach 5 Jahren können Sie beim Amtsgericht einen Antrag auf vor­zeitige Beendigung des Rest­schuld­befreiungs­verfahrens stellen. Wird Ihrem Antrag von einem Richter statt­gegeben, sind Sie schulden­frei.

Detailliertere Infor­mationen über den Ablauf und die Bedingungen der Privatinsolvenz finden Sie auf unserer Seite Privatinsolvenz.

Und wie sieht es nach eineinhalb Jahren in der Praxis aus?

Wie unser Beispiel zeigt, reicht es nicht mindestens 35% der Schuld­summe in drei Jahren auf­zu­bringen, um in den Genuss der vor­zeitigen Rest­schuld­befreiung zu kommen. Da zu­sätzlich die gesamten Ver­fahrens­kosten getilgt werden müssen, muss in etwa ein Betrag gezahlt werden, der 50% der Gesamt­schuld­summe ent­spricht. Das ist den meisten Schuldnern aus eigener Kraft kaum möglich, es sei denn es werden über­höhte An­strengungen (Neben­job) unter­nommen oder Freunde und Verwandte stellen Geld zur Ver­fügung. Der Regel­fall ist noch immer, dass die Wohl­verhaltens­phase der meisten Privat­insolvenzen 6 Jahre dauert, bevor der Antrag auf Erlass der Restschuld gestellt werden kann. Die Reduzierung um ein Jahr auf insgesamt 5 Jahre durch Tragen der Verfahrens­kosten können hingegeben ein paar Schulder erreichen.

Eine Alternative, bei eine Entschuldung auch in weniger als 6 Jahren möglich ist, ist eine außer­gerichtliche Schulden­be­reinigung. Diese hat den Vorteil indivi­dueller Vergleiche mit den Gläubigern und die frühe Gewissheit, wann die Restschulden erlassen werden, sodass die Unwäg­bar­keiten des Insolvenz­ver­fahrens und die damit ver­bundenen zu­sätzlichen Verfahrens­kosten wegfallen.



Autor

AUTOR

KATEGORIE    

Insolvenz, Rechtsprechung

AKTUALISIERT

4. Mai 2016