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AdvoNeo Ratgeber » Schuldenfallen » Spielschulden sind Ehrenschulden – Was bedeutet das?





22. Oktober 2019

Spielschulden sind Ehrenschulden – Was bedeutet das?

Spielschulden sind Ehrenschulden Poker Chips

Der Traum vom großen Geld und der Nervenkitzel reizen viele Menschen, sich beim Glücksspiel zu versuchen. Ob Kartenspiele wie Poker, Spielautomaten, Sportwetten, Pferderennen oder andere Glücksspiel­arten, die Gefahr, sich zu verschulden, ist auch wegen des Suchtfaktors bei Glücksspielen groß. Hat man mehr verspielt, als man zahlen kann, hat man Spielschulden.

Wissen Sie darüber Bescheid, ob, wann und warum Sie Spielschulden zurückzahlen müssen? Und was es mit dem Satz "Spielschulden sind Ehrenschulden" auf sich hat?

Spielschulden sind Ehrenschulden

Diese Aussage bezieht sich darauf, dass gemäß § 762 Abs. 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) durch Spiel und Wette keine Verbindlichkeiten entstehen, die rechtlich einklagbar sind. In der Fachsprache wird dies als Naturobligation bezeichnet. Dabei handelt es sich um private Wetten oder privates Glücksspiel. Ein Beispiel ist, dass Sie eine Wette verlieren, deren Einsatz 10 € waren. Wenn Sie das Geld nicht zahlen, ist zwar derjeneige, gegen den Sie gewettet haben, verärgert, kann die 10 € jedoch nicht gerichtlich einklagen.

In § 762 Abs. 2 BGB ist zudem geregelt, dass auch trotz schriftlich festgehaltener Wette (z.B. über einen Darlehensvertrag zur Rückzahlung) das Geld nicht per Gericht eingeholt werden kann. Achtung: Wenn bereits gezahlt wurde (zum Beispiel beim Poker wurde in den Pott eingezahlt), kann nichts zurückverlangt werden. Haben Sie sich Geld von einem Dritten geliehen, um Glücksspiel zu betreiben, handelt es sich um "normale" Schulden. Diese können unabghängig davon, ob Sie diese zum Spielen verwenden, von demjenigen rechtlich zurückgefordert werden, von dem Sie sich das Geld geliehen haben.

Weil auf privater Ebene keine gerichtliche Eintreibung der Schulden möglich ist, entstand der Satz "Spielschulden sind Ehrenschulden". Denn wer seine Schulden aus privaten Glücksspielen nicht begleicht, verliert seine Ehre und darf meist zukünftig nicht weiter an privaten Glücksspielrunden teilnehmen.

Spielschulden sind Ehrenschulden - jedoch nicht bei Unternehmen

Die Rechtslage ist anders, wenn es sich um Spielschulden bei Unernehmen handelt, die legal Glücksspiel anbieten. Diese Spielhäuser oder auch Internetfirmen können meist über den typischen Weg des Mahnbescheids die Verbindlichkeiten gerichtlich eintreiben. Insklusive Pfändung. Denn hierbei wird ein Vertrag eingegangen, der rechtliche Konsequenzen hat. Dabei müssen beide Seiten Ihre Verbindlichkeit erfüllen. Gewinnen Sie bei einem lizenziertem Glücksspielanbieter, können Sie Ihren Gewinn ebenso gerichtlich durchsetzen wie der Anbieter Ihre Spielschulden.

Spielschulden bei Unternehmen mit Sitz im Ausland

In den letzten Jahren haben die Angebote von Online-Poker oder Online-Wetten zugenommen. Dadurch haben mehr Menschen Online Spielschulden bei Unternehmen mit Sitz im Ausland. Die Firma bwin sitzt beispielsweise in Gibraltar. Hierdurch ergeben sich besondere Regelungen, die je nach Sitz und Unternehmen im Einzelfall zu beurteilen sind. Deswegen sollte bei Spielschulden im Ausland auf das Expertenwissen von einem Anwalt vertraut werden.

Spielschulden müssen nicht an erster Stelle beglichen werden

Die Spielschulden gehören zu den Sekundärschulden, da sie Ihre Lebensgrundlage nicht bedrohen. Haben Sie neben den Spielschulden zusätzlich offene Verbindlichkeiten bei Strom-, Gas- oder Wasseranbieter oder Ihrem Vermieter, sollten Sie diese in jedem Fall zuerst begleichen.

Unternehmen, die Glücksspiele anbieten, lassen sich oft auch auf außergerliche Vergleiche ein. Nutzen Sie für Ihre Spielschulden diesen Weg der Entschuldung und vereinbaren Sie Raten mit den Gläubigern.



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